Eine Entscheidung, als gäbe es kein Morgen

Veröffentlicht von Tom Müller am

Entscheiden fällt manchmal schwer

Wie man persönlich leichter zu einem Ergebnis kommt

„In der Debatte über längere Laufzeiten für Atomkraftwerke will die Bundesregierung sich nicht zu einer Entscheidung drängen lassen“, meldet die Tagesschau. Das klingt nach tiefgreifenden Veränderungen – und vielen Menschen stockt dabei der Atem. Dabei scheint es ihnen jedoch weniger um die Frage der nationalen Energieversorgung zu gehen als vielmehr darum, dass bei der Diskussion dieser Frage ihre eigene Energie nicht gefragt zu sein scheint. Und das im Angesicht so schwieriger Entscheidungen, die doch jeden Einzelnen betreffen.

Bestätigung für diese These kommt aus der Schweiz. In einem Düsseldorfer Ringgespräch berichtete der Schweizer Nationalrat Andreas Groß über Volksabstimmungen im Alpenland. Überrascht erfuhr ich: Auch wenn Menschen mit ihrem Votum unterlagen, waren sie dennoch zufrieden – nämlich zufrieden, gehört worden zu sein.

Eine breite Beteiligung scheint für die gefühlte, psychologische Sicherheit von Individuen ein wesentlicher Punkt zu sein. Nicht nur alle Fakten sollten gehört werden, sondern auch alle Meinungen. Zumindest, wenn es anschließend gemeinsam gut und friedvoll vorangehen soll.

Hauptsache entschieden

Vermutlich kennen einige von Ihnen die Anspannung, wenn etwas nicht entschieden ist. Da ist es den Ungeduldigen mitunter lieber, dass überhaupt entschieden wird. Am Beispiel der Energieversorgung oben wird die Gefahr einer schwebenden Entscheidung deutlich: An der einen unentschiedenen Situation hängen oft weitere, ebenfalls unbeantwortete Fragen. In diesem Fall etwa: Wie bereite ich mich auf den kommenden Winter vor, was kaufe ich ein, welche Maßnahmen treffe ich noch?

Das meiste davon kann erst geplant werden, wenn die eine, große Entscheidung gefallen ist. Das Warten darauf macht unter Umständen immer nervöser und unsicherer. Wenn es dagegen endlich so weit ist, gibt es Klarheit und Planungssicherheit. Deswegen ist es von einem gewissen Punkt an fast egal, was entschieden wird – solange nur entschieden wird.

Leidmotiv unentschieden

Weitere Aspekte sind zu wenige ebenso wie zu viele Alternativen. Beide Extreme können zu Stress und Leid führen, je nach Prägung eines Menschen. In Moderation, Mediation und Coaching höre ich gelegentlich, es könne nur um das eine oder das andere gehen – also A oder B. Das polarisiert schnell, spaltet vielleicht sogar ein Team in Ablehnende und Befürwortende einer Lösung. Nehmen wir eine vierköpfige Familie: Ein Elternteil und ein Kind wollen ans Meer, die beiden anderen in die Berge. Das kann doch nur mit Gewinnern und Verlierern ausgehen, oder? Die Antwort auf diese Frage ist ein Nein. Schließlich kann es ebenso damit enden, dass alle Beteiligten weitere Optionen suchen.

Ganz anders sieht es aber bei einer reichhaltigen Fülle an Optionen aus. Auch das kann zu Unwohlsein und Unsicherheit führen: Ein leitender Ingenieur sagte mir einmal, er sehe sich nicht in der Lage, dreiunddreißig Optionen zu bewerten. Meine Nachfrage klärte, dass er sie im Vergleich zueinander gewichten wollte. Der Tipp, jede Alternative für sich allein als Lösungsoption mit Punkten zu bewerten, erleichterte ihn sichtlich. Innerhalb von wenigen Minuten war er damit erfolgreich.

Auch wir als Individuen erleben gelegentlich den Zustand, uns selbst einfach nicht entscheiden zu können. Es ist so, als wären wir gespalten: Ein Teil von uns ist dafür, der andere dagegen – der Engel sitzt auf der einen, der Teufel auf der anderen Schulter. Und beide haben gute Argumente.

Auch dieses Modell kann man noch erweitern. Ob wir vom „inneren Team“ sprechen oder andere Metaphern bemühen: In uns gibt es viele verschiedene Parteien, die mitsprechen wollen. Etwa den träumenden, denkenden, handelnden und neutralen Anteil. Oder die unterschiedlichen Rollen, die wir im Alltag einnehmen: Die Unternehmerin, die Mutter, die Verbandsvorsitzende, die Ehefrau, Sportlerin, Geliebte, Tochter und, und, und.

Quintessenz erleichternd

Es erleichtert, wenn der Knoten sprichwörtlich platzt und das Urteil gefällt ist – man endlich weitermachen und sich den anderen alltäglichen Aufgaben widmen kann. Ebenso entlastend sind hilfreiche Methoden, die dazu beitragen, in kniffligen Fragen zu einer Haltung, einer Position, einem Entschluss zu kommen. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Hier nur ein Beispiel für eine persönliche Entscheidung mit zwei Alternativen: Man werfe eine Münze, würfele oder lasse auf andere Weise den Zufall entscheiden.

Etwa: Eine Maschine soll angeschafft werden – ob in Küche, Keller oder im Unternehmen. Es geht um kaufen oder nicht kaufen.

  • Man nehme eine Euro-Münze. Eine Seite zeigt die Zahl.
  • Nun wähle man, für welche Option die Zahl steht.
  • Je nach Geschicklichkeits-Level wirft man die Münze hoch in die Luft oder drehe sie wie einen Kreisel auf dem Tisch.

Welche Seite der Münze zeigt sich zuoberst? Wichtig ist jetzt, nicht auf das Ergebnis, sondern auf das dabei entstehende Gefühl zu achten. Ist es Enttäuschung oder Erleichterung angesichts der Zufallswahl? Nicht die Münze, sondern dieses Gefühl weist uns schlussendlich den Weg zur Entscheidung. So hat man nicht nur den Kopf, sondern vielleicht auch Herz und Bauch mit ins Boot geholt.

Eine andere Methode, gerade in Beziehungsdingen oder persönlichen Konfliktsituationen: Wie würde ich entscheiden, wenn es kein morgen gäbe – wenn heute der allerletzte Tag für mich wäre? Viele unwichtige Optionen treten so schnell in den Hintergrund.

Alles beginnt bei mir selbst

Ich gehe von der Überzeugung aus: Veränderungen beginnen idealerweise bei mir selbst, wenn deren Effekte deutlich und nachhaltig sein sollen. Dieser Beitrag soll das „Denken in Möglichkeiten“ anregen – wie es anders besser funktionieren könnte. Ich selbst bin gerade in einer Situation, eine Entscheidung zu treffen, die mein Leben verändern wird. Vielleicht werde ich hier davon schreiben, wie ich mich entschieden habe. Wenn nicht, war auch das Teil der Entscheidung.

„Unser Leben ist das Ergebnis unserer Entscheidungen.“ – so hat es der amerikanische Autor Stephen R. Covey einmal formuliert. Und diesen Satz möchte ich noch einmal erweitern: Jeder neue Tag Leben ist ein Geschenk. Was hätten wir zu verlieren, wenn wir uns jetzt entscheiden, in unserem Sinne zu leben? Also los!

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Tom Müller

Tom Müller (63) ist ein Jünger der schwarzen Kunst. Mit der Jahrtausendwende spezialisierte er sich auf Transformation angesichts der Effekte durch die Digitalisierung – er ist Spezialist für Gruppenintelligenz, Mentor für Entscheidungen und Moderator für Magic✯Meetings.