WebMeetings bringen Risiken für Produktivität

Veröffentlicht von Klaus Starch am

Die wachsende Dezentralisierung in der Produktion (Industrie 4.0) verkleinert die Produktionseinheiten. Der Abstimmungsbedarf zwischen den einzelnen Einheiten wuchs jedoch mit steigender Komplexität der Aufgabenstellungen. Durch die Corona Quarantänebestimmungen wurde die Dezentralisierung der Arbeitsplätze weiter vorangetrieben.

Doch wird durch die derzeit notwendigen, aber auch in Zukunft verstärkt auftretenden Homeoffice-Arbeitsplätze, die direkte Kommunikation zwischen Mitarbeitern auf elektronische Medien verlagert. Neben den vielen Vorteilen – weniger Dienstreisen, zeitversetztes Antworten, etc., birgt diese Form der Kommunikation aber auch Risiken, die sich mittel- und langfristig negativ auf die Produktivität auswirken.

HomeOffice birgt Risiken für die Produktivität

Ursache dafür ist, dass nur ein Bruchteil der Informationen eines persönlichen Gesprächs ausgetauscht werden. Zum Beispiel gehen alle Informationen, die sich aus Mimik und Gestik ergeben und unterbewusst wahrgenommen werden, bei Bildübertragungen wegen der zu geringen Bildgröße und -schärfe, verloren. Selbst auf der Tonspur weitergegebene Informationen werden durch die schlechtere Klangqualität bei der Betonungen, der gedeckelten Lautstärke (was man auch begrüßen kann) nur verfälscht wiedergegeben und verhindern damit das gewohnte Maß an Konsens zwischen den Gesprächspartnern.

Informationsdefizit bei WebMeetings

Effiziente Zusammenarbeit bedingt Vertrautheit mit dem Gegenüber. Diese wächst je mehr man sich gegenseitig „lesen“ kann. Dringlichkeit muss nicht mehr explizit ausgesprochen werden, der Tonfall oder die Gestik genügen oftmals. Auch die Nuancierung von Lob oder Kritik erfolgt oft über einen Raster, jenseits der Buchstaben des gesprochenen Wortes durch Betonung, Mimik oder Gestik. Ein diesbezügliches Informationsdefizit führt auf jeden Fall zu Verunsicherung und im schlechtesten Fall zu einem Dissens, der die Nichterfüllung der gestellten Aufgabe und damit Enttäuschung zur Folge hat, oder gar in einem Konflikt mündet. Vertrauen geht verloren.

Neben der unmerklichen Reduzierung des Informationsflusses zu einer bestimmten Aufgabenstellung gehen aber auch die Informationen zur persönlichen Situation des Gegenübers verloren. Geschieht dies über einen längeren Zeitraum nimmt die Vertrautheit, die die Effizienz erst ermöglicht, ab.

Verschlechterung des Arbeitsklimas

Kurzfristig können diese Informationsdefizite toleriert werden, ohne dass es zu Folgen in der Produktivität kommt, wie man am ersten Lock Down sehen konnte. Längerfristig zeigen sich aber die Folgen der eingeschränkten Kommunikation in immer häufiger auftretenden Missverständnissen, die sich in einem erhöhten Arbeitsaufwand auswirken. Letztendlich kommt es zu einer Verschlechterung des Arbeitsklimas und -ergebnisses, wie man derzeit beobachten kann.

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Klaus Starch

Klaus Starch, gelernter Volljurist. Nach 20jähriger Tätigkeit im Management internationaler z.T. börsenotierter Unternehmen als CRO; CFO und CEO, zog er den Lehrstuhl dem Chefsessel vor. Seit 2014 lehrt er am Department Psychologie der LMU (Ludwig Maximilian Universität München) und VIU (Venice International University) „Coaching in komplexen Systemen“ und „Krisenintervention“ und engagiert sich in der Mobbingforschung. Vorträge im In- und Ausland führten ihn durch Europa bis nach Südamerika.