Sale and Lease Back Maßnahmen gehören zum kleinen 1×1 der Sanierung hoch verschuldeter Unternehmen. Beworben wird die Durchführung damit, dass die Aufdeckung sog. stiller Reserven für einen Zufluss von Liquidität führt. Stille Reserven entstehen, wenn der Marktpreis von Anlagegegenständen über den Buchwerten liegen. Sehr oft sind dies Sachanlagen des Unternehmens, die buchhalterisch abgeschrieben sind, für die Produktion durch das Unternehmen weiterhin benötigt werden und am Markt für gebrauchte Anlagegegenstände noch einen guten Preis erzielen.

Sofern das Unternehmen über ausreichend (aufgelaufene) Verluste verfügt, gelingt es dem Unternehmen meistens, eine Steuerzahlung auf die Erträge aus der Aufdeckung der stillen Reserven zu verhindern. Die gewonnene Liquidität wird dann eingesetzt, um die Schulden des Unternehmens zu tilgen. Im Idealfall bleiben noch finanzielle Mittel übrig. Bilanziell bedeutet dies, dass insbesondere auf der Passivseite die Schulden reduziert werden konnten, wobei gleichzeitig die Abgänge auf der Aktivseite aufgrund der geringen Buchwerte geringer ausfallen. Dies führt dazu, dass sich Bilanzkennzahlen positiv entwickeln: bspw. erhöht sich die Eigenkapitalquote und der Verschuldensgrad sinkt. Diese Veränderungen stellt ein externer Sanierer gerne heraus und lässt sich für diese Erfolge feiern und gerne gut bezahlen.

Die halbe Wahrheit

Allerdings ist dies nur die halbe Wahrheit. Dem Unternehmen fehlen nun wesentliche Anlagegegenstände. Das Unternehmen sieht sich nun mit permanent höheren Ausgaben für das Lease back konfrontiert. In aller Regel übersteigen diese Ausgaben die zuvor an die Bank geleisteten Zinsen. Die Ertragssituation des Unternehmens hat sich also nicht verbessert.

Albert zeigt die ganze Wahrheit

Genau diese Problematik wird in dem hier verlinkten Video der FernUniversität in Hagen sehr anschaulich dargestellt. Student Albert ist dauerpleite und nutzt seinen Dispo bis zum Anschlag aus. Seine Freunde Klaus-Peter und Johannes zeigen ihm auf, dass ein Verkauf seines alten „Anlagevermögens“ Albert zwar die Tilgung seiner Schulden ermöglichen würde. Aber die Folgekosten für das Zurückmieten seines „Anlagevermögens“, welches Albert für sein Studium und zum Leben braucht, führt zu einer deutlichen Verschlechterung seiner Ergebnissituation. Albert saniert sich zwar einmalig bilanziell, aber ohne eine Verbesserung seiner Erfolgssituation ist Albert nicht wirklich saniert.

Eine sehr gelungene Veranschaulichung eines komplexen betriebswirtschaftlichen Sachverhaltes.

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Armin Borovička

Armin Borovička

|Armin Borovička arbeitet seit 2011 als selbstständiger Restrukturierungs- und Sanierungsexperte mit dem Fokus auf integrierter Unternehmensplanung, Controlling und Kostenrechnung sowie der ganzheitlichen Unternehmensführung. Er ist Geschäftsführender Gesellschafter der ENGELMANN Die Beratungsgesellschaft in Rutesheim