Interview mit Bodo F. Schmischke, Vorstandssprecher der EKDD

Herr Schmischke, was ist EKDD, das Einkaufskontor
Deutscher Druckereien eG?

Das EKDD ist eine Genossenschaft, das heißt die teilnehmenden Druckereien sind Mitglieder. Die Genossenschaft hat sich auf den Einkauf für Druckereien spezialisiert und tritt als Einkaufsverbund auf. Druckereien können sämtlichen Bedarf an Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen und auch an Dienstleistungen über die Genossenschaft beziehen.

Was genau wird den Druckereien geboten?

Mit der Mitgliedschaft erhalten die Druckereibetriebe Zugang zu unserer Transaktionsplattform, myEKDD. Dort steht für unsere Mitglieder ein Sortiment von ca. 150.000 Artikeln zur Verfügung, unterteilt in 14 Warenbereiche. Die Produktpalette umfasst alles, was ein Druckunternehmen benötigt: von Papier, über Farbe, Platten und Weiterverarbeitungsmaterialien bis hin zu Werkzeugen. Zudem bieten wir auch eine große Auswahl an Betriebseinrichtungen und Büromaterial – und den Zugang zu notwendigen Versicherungen.

Hat das für die Unternehmen besondere Vorteile gegenüber dem klassischen Einkauf auf dem freien Markt?

Als Genossenschaft bündelt die EKDD die Nachfrage vieler Druckereien. Dadurch haben wir natürlich eine starke Verhandlungsposition – und erreichen günstige Preise für Konsumgüter sowie vorteilhafte Rahmenvereinbarungen mit KFZ-Versicherungen, Betriebsversicherungen, Logistikunternehmen, Autovermietungen und Paketdienstleistern. Die Zahlen sprechen für sich: Bis zu 30 Prozent kann eine Druckerei einsparen, wenn sie über die Genossenschaft einkauft.

Die Genossenschaftsmitglieder geben dabei den Ton an: Sie legen jeweils am Jahresende fest, mit welchen Händlern und Herstellern die EKDD beim Papiereinkauf im kommenden Jahr zusammen arbeiten soll. Mit diesen Vorgaben geht der Vorstand in die Gespräche und arbeitet die Verträge mit den Lieferanten aus. Die Karten werden also jährlich neu gemischt – und wir können sehr schnell auf Veränderungen im Markt reagieren. Um konkrete Mengen abzustimmen, bespricht der Vorstand mit jedem Mitglied, wie hoch dessen Einkaufsvolumen im kommenden Jahr sein wird und welcher Anteil davon über die Genossenschaft eingekauft werden soll.

Die Unternehmen sind also für ihren Einkauf von EKDD abhängig?

Nein, denn die Mitglieder sind nicht verpflichtet, ihren kompletten Bedarf über die EKDD zu decken. Zwar sollten generell 70 bis 80 Prozent über die Genossenschaft abgewickelt werden. Prinzipiell haben die Druckereien jedoch die freie Wahl. Sie müssen allerdings der EKDD gegenüber offen legen, wo sie welche Menge eingekauft haben. Bleibt eine Druckerei unter den angepeilten 70 bis 80 Prozent, setzen wir auf ein klärendes Gespräch. Denn häufig liegen die Gründe dafür in der internen Kommunikation der Unternehmen: Die Vereinbarungen mit der Genossenschaft trifft üblicherweise der Geschäftsführer oder Inhaber der Druckerei. Für die Bestellungen im Alltagsgeschäft sind aber Einkäufer, Produktionsleiter oder Sachbearbeiter zuständig. Und diese Mitarbeiter kennen oftmals die Vereinbarung mit der Genossenschaft gar nicht. Unserer Erfahrung nach ist in vielen Fällen die Firmenleitung gefragt, die Vereinbarungen zu kommunizieren – und anschließend zu überprüfen, ob sie eingehalten wurden.

Wie wird ein Druckereibetrieb Mitglied beim Einkaufskontor?

Generell hat jeder Druckereibetrieb die Möglichkeit, der Genossenschaft beizutreten. Unser Einkaufsverbund umfasst vor allem Unternehmen mit Größenordnungen zwischen 20 und 150 Mitarbeitern. Das jährliche Einkaufsvolumen eines Betriebes sollte bei mindestens 100.000 Euro liegen. Für die Mitgliedschaft bringt ein Betrieb entweder eine Einlage in einer festgelegten Größenordnung ein oder zahlt monatlich 99 Euro Mitgliedsgebühr. Insolvente Betriebe werden nicht in die Genossenschaft aufgenommen. Bei der Prüfung von Mitgliedschaften in der Sparte Offset setzen wir auf einen Zentralregulierer. Dieser Regulierer garantiert den Lieferanten, dass Rechnungen rechtzeitig und komplett beglichen werden. Er analysiert die Finanzlage einzelner Druckereien und entscheidet mit, welche Anwärter in die EKDD aufgenommen werden. Erfahrungsgemäß ist der Regulierer großzügiger als eine Bank. Deshalb haben wir in den letzten Jahren durchaus auch einige Unternehmen aufgenommen, die hinsichtlich ihrer Bonität einen Grenzfall darstellten.

Um festzustellen, ob sich eine Mitgliedschaft perspektivisch lohnt, bietet die EKDD interessierten Unternehmen an, ihr Einkaufsverhalten zu analysieren und ihnen konkret Einsparpotenziale aufzuzeigen.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit der Unternehmen unter
dem Dach der EKDD?

Auch wenn sie natürlich miteinander im Wettbewerb stehen, bilden unsere Genossenschaftsmitglieder eine lebendige Branchen-Community.  Es gibt einen regen Austausch untereinander. Die Unternehmen treffen sich mehrmals im Jahr und besprechen Details zu Fragen des Einkaufs. Vor der Veranstaltung unterschreiben alle Unternehmen eine Wettbewerbs-Vereinbarung, wodurch sie sich verpflichten, über Kunden, Konditionen und Rahmenverträge Stillschweigen zu bewahren.

Wie viele Mitglieder hat die EKDD?

Dazu möchte ich aus Wettbewerbsgründen keine konkreten Angaben machen.

In welchen Größenordnungen bewegen sich die Einkaufszahlen der EKDD?

Abhängig von den Absprachen mit unseren Mitgliedern, kauft die EKDD pro Jahr etwa 50.000 Tonnen Papier ein, vorrangig Bogenoffset-Ware. In kleinerem Umfang wird auch Rollenoffset-Papier geordert, zudem gibt es in der Genossenschaft spezielle Sparten für Rollenware bei Selbstklebe-Etiketten und SD-Papier.

Was passiert mit Überschüssen und Restposten?

Dafür bietet die EKDD mit PAPERpool.de eine gesonderte Verkaufsplattform. Rest- und Überschuss-Papiere können dort auch von Nicht-Mitgliedern erworben werden. Die Druckereien können die Restposten über diese Börse sowohl einkaufen als auch verkaufen.

Das Interview führte Kathrin Hahn.


EKDD

EKDD

Die strategische Einkaufsgenossenschaft für Druckereibetriebe in Deutschland.EKDD bietet seinen Kunden eine zentrale Beschaffungsplattform für Materialien und Dienstleistungen mit Einkaufsvorteilen durch bessere Preise und eine optimierte Abwicklung.

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